Die Uelversheimer Kirche

Uelversheimer Kirche

Seit 1392 stehen hier in Uelversheim zwei Kirchen: zum einen die sogenannte Oberkirche St. Nazarius und die Niederkirche St. Martin. Beide Kirchen existieren nicht mehr. Auf dem Grund von St. Nazarius wird die neue achteckige, evangelische Kirche errichtet, die heute das Bild des Ortes prägt.

Im Jahr 1722 wurde mit dem frühbarocken Bau dieser achteckigen Kirche begonnen. Zuvor war St. Nazarius wegen Baufälligkeit im Jahre 1720 abgerissen worden. Es folgte eine relativ lange Bauzeit, da die Uelversheimer mit der ungewöhnlichen Architektur nicht mehr zufrieden waren. Als der Bau bis zur Höhe der Fenster errichtet war, jagten sie den Freiburger Baumeister zusammen mit seinen Gesellen mit Schimpf und Schande davon. Nach langwierigen Verhandlungen konnte er dann einige Jahre später zur Fortsetzung und Vollendung des Baues wiedergewonnen werden. Die Einweihung war dann am 15. Oktober 1730.

Orgel aus dem Jahr 1754

Die Orgel aus dem Jahr 1754 hat einen barocken Prospekt. Sie ist nicht, wie sonst üblich auf den Kammerton A gestimmt, sondern aus „pädagogischen Gründen“ einen halben Ton höher, damit die Gemeinde heller singe.

In dem Baugutachten vom 5. Juni 1905 eines Professors Pützer heißt es u.a. zur Vorbereitung einer umfassenden Renovierung der Kirche, die bereits in den Jahren 1819 und 1836 bzw. 1838 umfassend renoviert und repariert wurde:

„Das Bestreben der letzten Jahrhunderte, für das protestantische Gotteshaus eine selbständige Gestaltung zu wählen, hat hier zu einer Zentralanlage geführt, wie sie in gleicher Einfachheit, Klarheit und Konsequenz kaum wieder anzutreffen ist. Nicht nur im Äußeren ist die Einheit der um Altar und Kanzel sich scharenden Gemeinde trefflich zum Ausdruck gebracht, sondern auch die Anlage der Empore und der Kirchenbänke läßt klar den Gedankengang des Erbauers erkennen. Die Bänke gruppieren sich organisch um den Altar und die dahinter in der Hauptachse aufgebaute Kanzel, so dass von allen Plätzen aus der Gottesdienst auf’s Beste verfolgt werden kann. … Die Anordnung des Gestühls ist geradezu meisterhaft gelungen. Die achteckige Fläche ist durch den Kreuzgang in vier gleiche Teile geteilt. Das Gestühl gruppiert sich um den Altar, der mit Kanzel und Orgel auf einer Linie steht. …“

Soweit Prof. Pützer mit seiner Beschreibung dieser Kirche mit dem ausgeprägten Charakter einer Predigtkirche.

Im Jahre 1959 wurde die Kirche, die wegen ihrer ungewöhnlichen achteckigen Form im Volksmund die "merkwerdisch Kerch" heißt, zum letzten Mal renoviert.

Das Deckengemälde im Stil der Nazarener stammt aus dem Jahre 1908. Um das Auge Gottes als Zentrum sind  zum einen David und Jesaja und zum anderen die vier Evangelisten, sowie die beiden Apostel Petrus und Paulus angeordnet. Das „Auge Gottes“ malte der Karlsruher Wilhelm Füglister, während die Gestalten von den Wormser Kirchenmalern Fritz und Heinz Muth gefertigt wurden.

Empore

Die Bilder an der Empore stammen aus der Vorgängerkirche, der Oberkirche St. Nazarius. Ein heute unbekannter Künstler hat sie um 1450 gestaltet. Das Altargerät stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde auf der Mathildenhöhe in Darmstadt angefertigt. Es wurde sogar in der Jugendstilausstellung in den 90iger Jahren gezeigt.

Der Friedhof schließlich, der an der Kirche bis 1840 genutzt wurde, war ein sog. Etagenfriedhof mit 2-3 Gräbern übereinander und von einer hohen Mauer umgeben.